Ars Bibendi - Zum Vergnügen der Götter


Der Wein ist eines der ältesten Kulturgüter der Menschheit.
Schon die alten Griechen und Römer schätzten diesen Trank der Götter.
Leicht beschwingt, will sagen poetisch beflügelt,
schrieben große Denker, Dichter und Philosophen ihre Werke nieder.
Genusskulturelle Errungenschaften wie Tee oder Kaffee
gehören im Vergleich zum Wein in Europa wohl eher zur Neuzeit.
Mehr und mehr Menschen entdecken heuer die Kultur dieses Trankes.

So die Geschichte betrachtend, gleichsam hart am Objekt des Studiums arbeitend,
stellt man alsdann fest, wofür der Wein tatsächlich geschaffen ist.
Nämlich nicht, um den Durst zu löschen, sondern um die Sinne zu becircen,
gleichsam die Seele harmonisierend und den Geist inspirierend.
Poesie wie Phantasie, dem Wein ist es gleich.

Der Wein hat auch ein sehr kommunikatives Element, denn was liegt schliesslich näher,
als sich über die bei einer Flasche "neugewonnene" Inspiration
mit Gleichgesinnten auszutauschen? Hier mag man einer eher profanen Erkenntnis zustimmen:
Die optimale Anzahl an Geniessern pro Flasche liegt bei Zweien.
Einerseits nämlich der Austausch des soeben befruchteten Geistes mit sich selber
wenig gewinnbringend ist, andererseits der Inhalt einer Flasche für drei
leider als schlicht nicht ausreichend empfunden werden muss.

Vor dem Öffnen einer Flasche sollte natürlich der Trinkanlass genau bedacht werden.
Ist der Wein Begleiter eines Essens, geniesst man ihn allein?
Verschiedene Weine passen zu ebenso verschiedenen Trinkanlässen und Gelegenheiten
Rotwein oder Weisswein, trocken oder süss, still oder schäumend,
noch mit der Ungestümheit seiner Jugend oder lieber mit der Reserviertheit der Reife?
Welch eine önophile Qual der Wahl!

Degustatorisch bedachtsam nähert man sich also den da kommenden Kreszenzen,
vielleicht gar selber beflügelt wie jene Denker, Dichter und Philosophen, die,
wie auch der Wein, unsere Welt um so unendlich viel reicher gemacht haben.
Und das nicht nur zum Vergnügen der Götter!

                                                        Reiner Maus


Bacchus oder Teufel?



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